Wundmanagement
Was ist Wundmanagement?
Bei einem Menschen mit einer chronischen Wunde findet man meist auch systemische Wundheilungsstörungen wie Mangelernährung, hohes Alter und Rauchen. Daher bezeichnen wir die Organisation aller wundheilungsfördernden Maßnahmen als Wundmanagement. Dazu zählen mehr Maßnahmen als nur die Auswahl der richtigen Wundauflage. (S. Abb.1 Quelle : Panfil/ Schröder Pflege von Menschen mit chronischen Wunden)
Vorerkrankung
Die chronische Wunde entsteht, weil das Gewebe eine mehr oder weniger lange Vorgeschichte, also eine eigenständige „Entstehungsgeschichte” hat. So entsteht beispielsweise das Ulcus cruris venosum, weil es schon Jahre oder Jahrzehnte zuvor durch eine venöse Rückstauung zu einer Gewebeschädigung gekommen ist. Diese Schädigung des Gewebes kann solche Ausmaße erreichen, dass sich die oberste Hautschicht durch die zunehmend schlechtere Versorgung zunächst braun verfärbt (Hyperpigmentierung durch Ablagerung von Hämosiderin infolge Mikroeinblutungen) und später als Ausdruck der veränderten Hautphysiologie (Dermatolipidsklerose) weiße Flecken bekommt (Atrophie blanche). Schließlich können bei bloßer Berührung bereits Wunden entstehen. Das Problem einer solchen chronischen Wunde ist somit die Ursache: Solange die Ursache- in diesem Beispiel die chronisch venöse Stauung – nicht beseitigt wird, kann die Wunde nicht heilen.
Spezifische lokale Störfaktoren
ISCHÄMIE
- direkt durch eine arterielle Durchblutungsstörung wie bei der pAVK
- durch Oedeme im Wundgebiet bei der venösen Insuffizienz
- durch Einlagerung saurer Mucopolysaccharide in die Basalmembran bei Diabetes mellitus oder
- durch den Druck des Liegens beim Dekubitus (Druckgeschwür)
Es kommt zu einer Minderversorgung des Gewebes und dadurch zu einer verzögerten Wundheilung.
KEIMBESIEDLUNG
Die chronische Wunde ist kontaminiert, d.h. mit Keimen besiedelt. Dadurch kommt es zu Wundheilungsstörungen, da apathogene Keime einen „Biofilm” bilden, der die Wunde gegen äußere Einflüsse, also auch Wundtherapeutika , verschließen kann. Eine chronische Wunde muss regelmäßig gereinigt werden.
Arten chronischer Wunden
- Ulcus cruris venosum (bei Krampfadern)
- Ulcus cruris arteriosum
- Diabetisches Fußsyndrom
- Dekubitus
- Nach außen wachsende Tumore
- Sekundär heilende Wunden
Bei Patienten mit chronischen Wunden muss ein langfristiges Versorgungskonzept jeweils individuell auf die subjektive Lebenssituation des Betroffenen zugeschnitten und meist mehrmals modifiziert werden. Dabei ist eine enge Zusammenarbeit mit dem Betroffenen ausschlaggebend. Beratung und Anleitung stehen im Vordergrund.
Aufgaben des Wundmanagements ergeben sich daraus:
Die Wundanalyse ist die Beschreibung der lokalen Wundsituation anhand vorgegebener Parameter , wie z.B. der Größe der Wunde.
Kernaufgabe der Pflegenden besteht darin die Wunde zu beschreiben, nicht zu bewerten.
- digitale Fotodokumentation mit Maßband , um Wundgröße zu ermitteln
- Oberflächenbeschaffenheit der Wunde
- Wundrandbeschaffenheit
Weitere Kriterien die erhoben werden müssen sind;
- Menge und Aussehen der Wundflüssigkeit
- Wundstadium
- Wundtiefe
- Wundbeläge
- Infektionszeichen
- Wundgeruch
Wundanamnese erfasst alle systemischen Aspekte, die für die Wundheilung aus medizinischer und pflegerischer Sicht relevant sind. Bei der Pflegeanamnese erfragt die Pflegekraft das subjektive Erleben des Patienten mit seiner Wunde und deren Auswirkungen in seinem Alltag- wichtige Grundlagen für die Pflegeplanung.


