Adipositas-Chirurgie

Die Zunahme der Adipositas (krankhaftes Übergewicht) in den letzten Jahren und die relative Erfolglosigkeit konventioneller Therapien bei Patienten mit extremer Adipositas führten zur Entwicklung von Operationsverfahren, die einen wirkungsvollen Gewichtsverlust zur Folge haben. Unterstützt wurde diese Entwicklung von der Etablierung endoskopischer Operationsverfahren (Schlüssellochchirurgie), die gerade beim übergewichtigen Patienten die Belastung durch die Operation erheblich vermindern. Kleine Narben verursachen weniger Schmerzen und ermöglichen eine schnellere Erholung von dem Eingriff.

Es gibt mehrere Operationsverfahren, die durch Veränderungen im Verdauungstrakt zu einer deutlichen und anhaltenden Gewichtsreduktion führen. Die Operation ist eingebettet in ein ganzheitliches Therapiekonzept, welches mit umfangreichen Vorbereitungen beginnt und nach der Operation mit einer intensiven Nachbehandlung fortgeführt wird.

Die wissenschaftlich fundierte Therapie der Adipositas besteht aus mehreren Säulen:

  • Ernährungstherapie und
  • verhaltenspsychologische Unterstützung
  • Bewegungstherapie
  • ggf. medikamentöse Therapie (sehr selten)
  • chirurgische Therapie: ab BMI > 40 ab BMI > 35 plus Begleiterkrankungen

Die Entscheidung ob eine operative Therapie in Frage kommt und welches Operationsverfahren gewählt wird, richtet sich nach der Situation des einzelnen Patienten. In einem längeren diagnostischen und therapeutischen Prozess wird die auf den Einzelnen abgestimmte Therapieform erarbeitet und durchgeführt. Dabei messen wir dem Verständnis für die individuelle Lebenssituation und die Persönlichkeit unserer Patienten eine ebenso große Bedeutung zu wie den objektivierbaren medizinischen Befunden.

Als Operation kommen im Wesentlichen drei Verfahren zur Anwendung:

  • Das Magenband wird um den oberen Anteil des Magens gelegt und führt dadurch zur Bildung eines kleinen Vormagens, der beim Essen schnell gefüllt wird und damit ein schnelles Sättigungsgefühl vermittelt. Durch unterschiedliche Füllung des Magenbandes kann die Nahrungsaufnahme und damit auch der Gewichtsverlust gesteuert und beeinflusst werden. Dieses Verfahren ist reversibel und kommt für Patienten mit einem BMI zwischen 40 und 50 in Frage.
  • Bei einem BMI von über 50 empfiehlt sich eine Magenverkleinerung in Form eines Schlauchmagens (Sleeve). Dabei wird die so genannte große Kurvatur des Magens entfernt und ein Magenschlauch gebildet. Dieser Eingriff führt zu einer Verkleinerung des Reservoirs und Verminderung des Hormons Ghrelin und damit zu weniger Hungergefühl.
  • Der Magenbypass bewirkt einerseits eine Verkleinerung des Magens und andererseits eine Verminderung der Verdauung, da die Verdauungssäfte der Nahrung später zugeführt werden. Diese Operation ist ebenso wie der Schlauchmagen nicht reversibel.
  • Durch die Magenoperationen werden im Rahmen einer ganzheitlichen Adipositastherapie Reduktionen des Übergewichtes zwischen 50 und 70% erreicht und dauerhaft gehalten. Alleinige konservative Therapien vermindern das Gewicht durchschnittlich um 10% wobei eine anhaltende Gewichtsreduktion nur durch konsequente lebenslange Verhaltensänderung zu erreichen ist.

Die meisten Krankenkassen unterstützen in unterschiedlicher Art und Weise Thera­piekonzepte zu Ernährung/Bewegung/Verhalten nach dem §43 SGB V. Die Höhe der Kostenübernahme ist jedoch sehr verschieden. Für eine Operation hin­gegen benöti­gen Sie in der Regel eine vollständige Kostenübernahmeerklärung Ihrer Kranken­kasse. Dafür müssen zahlreiche Bedingungen erfüllt werden. Die Krankenkassen verlangen, dass das sog. multimodale Konzept zur Anwendung gekommen ist. Zum Nachweis sind umfangreiche Unterlagen beizubringen. Unter dem multimo­dalen Konzept ist die o.g. Basistherapie zu verstehen, welche aus diätetischen, be­wegungstherapeutischen und verhaltenstherapeutischen Maßnahmen besteht.

Wir bieten mit der Operation ein wissenschaftlich fundiertes Verfahren an, durchgeführt von in der Viszeralchirurgie langjährig erfahrenen Operateuren. Die unabdingbar notwendigen ergänzenden Behandlungen mit Ernährungstherapie, Verhaltenstherapie und Bewegungstherapie werden wir strukturieren und ärztlich begleiten. Zum Ziel führen jedoch letztlich nur der eigene Wille und die konsequente Umsetzung aller Maßnahmen.

Die von unserem Team konkret angebotenen Maßnahmen sehen wie folgt aus:

 
  1. ausführliches Anamnesegespräch über Ihre aktuellen Probleme in Bezug auf die Ernährung und Ihre Vorgeschichte anhand der vorab zugesandten Unterlagen
  2. Ermittlung der biometrischen Daten und ggf. Risikofaktoren (Labor/EKG/sonstige Befunde)
  3. Analyse Ihres aktuellen Essverhaltens anhand von Wochenprotokoll und Tagesplänen durch unsere Diätassistentin und unseren Ernährungsmediziner
  4. Erstellung eines Therapieplans im ernährungstherapeutischen Team
  5. fundierte Ernährungsberatung als Einzelberatung, ggf. per Verordnung durch Ihren Hausarzt
  6. Entscheidungsfindung über eine Operation und ggf. Gutachtenerstellung für den Antrag auf Kostenübernahme bei der Krankenkasse
  7. Teilnahme an dem strukturierten in Balance – Adipositas Schulungsprogramm mit den Themen:
    • Ernährung
    • Bewegung
    • Verhalten
    • Adipositas-Chirurgie
  8. Vermittlung zur Adipositas-Selbsthilfegruppe Werne